Suche
Suche Menü

Ach, sei nicht so dramatisch – der Wald stirbt nicht…!

So oder so ähnlich formulieren derzeit viele Menschen, die sich mit Wäldern, Straßen- und Bäumen generell nicht so richtig auskennen. Blätter werden braun, der Baum wirft sie ab, weil es an Wasser fehlt. Aber das ist noch lange kein Drama. Normalerweise hätten diese Leute Recht. Normalerweise gibt es alle paar Jahre mal ein Ausnahmejahr: zu nass oder zu trocken. Und darauf folgen mehrere gewohnte Jahre mit

typisch mitteleuropäischen Jahreszeiten. Das bedeutet wechselhafte Sommerhalbjahre mit Regen, Gewittern, oft um die 17 bis 27 Grad Celsius und nasskalte Winterhalbjahre. Ab Silvester oft mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, Schnee, Eisregen; im Februar auch schneereicher und das Ganze reichte oft bis in den März. Das ändert sich seit einiger Zeit. Trockenere Winter und dürre Sommerhalbjahre sind die Folgen.

Bäume folgen Gewohnheiten

Ein Haken ist, dass Bäume „Gewohnheitstiere“ sind. Sie gewöhnen sich im Laufe der Jahrzehnte ihres Lebens an bestimmte Witterungsverhältnisse. Und die, sagen wir mal, Hundertjährigen und älteren unter ihnen sind vor allem gesättigte Böden gewöhnt. Die ein oder andere kürzere Dürre oder Hochwasserzeit überstehen sie klaglos. Aber die letzten drei Jahre waren aus ihrer Sicht viel zu trocken. Dummerweise erschweren ihnen auch Schädlinge das Leben, eben, weil ihr „Immunsystem“ angegriffen ist. Damit haben Borkenkäfer und andere leichtes Spiel.
Den jüngeren Bäumen fehlt oft die Wurzeltiefe oder es wurden Arten angepflanzt, die mit den derzeitigen klimatischen Bedingungen noch nicht fertig werden. Fünfzigjährige sind übrigens Youngster. Und Straßenbäume haben es eh schwerer als alle anderen. Weil ihre Durchwurzelung durch versiegelte Böden stark be- oder sogar verhindert wird. Je nachdem, mit welchem Bewässerungs- und Durchlüftungssystem sie zusammengebracht werden.
Die Mesofauna – Milliarden winziger Bodenlebewesen – leidet ebenso wie die Pflanzen. Ähnlich wie bei den Insekten sterben hier auch massig Arten aus. Das tut dem Boden nicht gut. Denn diese Tiere durchlüften und lockern ihn, sorgen dafür, dass Wurzeln an ihre Nährstoffe gelangen können und vieles mehr.

Momentan ist vieles im Argen und die meisten Leute sehen nur die Spitze der Bäume und denken, ach, ist doch alles halb so wild. Leider, nein. Bäume sind keine Ents. Sie sind verwurzelt.

Autor:

Mein Name ist Silke Bicker. Ich schreibe verständliche Texte für die Umweltbildung und verschiedene Medien. Über ökologische Strukturen, Naturpädagogik, nachhaltige Themen. Dazu workshoppe und berate ich zu Öffentlichkeitsarbeit. Für Verlage, Vereine, Dienstleistungsunternehmen. Und demnächst für Sie?