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Hecken pro Natur & Tourismus

Reist man mit dem französischen Schnellzug über Strasburg in die Provence, ändert sich ab Besançon das Landschaftsbild: Hecken und Baumreihen entlang von Wiesen und Feldern dominieren anstelle großer Flächen ohne Schatten. Hierzulande schreien viele Landwirte auf, erodiert aufgrund von Sandstürmen und Starkregen die fruchtbare Erde. Dennoch sorgen sie munter dafür bestehende Hecken auf verschiedene Arten loszuwerden. In Südfrankreich handeln die Bauern wieder klüger.

Sicherlich hat es etwas mit pittoresker Landschaft und dem Tourismus zu tun. Nicht nur Franzosen urlauben gerne in Frankreich! Mehr Gäste, die sich an wechselnden Landschaftstypen erfreuen. Wanderer und Radler, die sich im Schatten von Hecken ausruhen und an einem der vielen Obststände am Straßenrand fruchtige Erfrischungen genießen.

Hecken – Schutz vor Erosion

Die Hecken, die die heutige Provence prägen, sehen anders aus als die Systeme von anno dunnemals. Statt Wiesen und Felder vierseitig zu umschließen, pflanzen Landwirte sie nun L- bis U-förmig. Das hängt vom Relief ab und davon, wie der Mistral das Land trifft. Der Mistral ist ein starker Wind, der vom Mittelmeer her kommend einige Wochen scharf weht.
Wiesen und Äcker wechseln sich mit Olivenhainen, mit kleinen Wäldern und Gebüsch ab. Auch diese sorgen dafür, dass der Wind die fruchtbare Krume nicht zu weit verwehen kann.

Viele Insekten & Vögel

Die Folge dieser Bewirtschaftung sind viele Insekten, Vögel, Wild- und Ackerkräuter. Die meisten Landwirte scheinen ökologisch verträglich zu wirtschaften: im Mai sah ich viel Klatschmohn in den Getreidefeldern.
Professionelle Fotografen werden aufgefordert sich an die Bauern zu wenden, wenn sie die rot-grünen Felder für ihre Zwecke nutzen wollen. So kommt ein Nebenverdienst zustande. Da keine Herbizide versprüht werden, gibts naturgemäß mehr Arbeit auf dem Feld. Dafür dürften die bestäubenden Insekten noch lange erhalten bleiben.

Durchlässiger Boden & Starkregen

Auch die Provence spürt den Klimawandel. Die letzten beiden Jahre war es sehr trocken. Ich erlebte mehrere Tage mit Starkregenfällen, einen Tag lang sogar mehrere nacheinander. Man spürt diese heftigen Regengüsse vor allem in den versiegelten Städten und Dörfern. Da bilden sich kleine Wasserläufe auf Festungsmauern, Straßen und über Treppen. Auch in der freien Landschaft bilden sich Wasserläufe entlang von Straßen. Diese sind häufig gesäumt von einem Jahrhunderte alten Bewässerungssystem. Regen wird in der trockenen Mittelmeerregion aufgefangen. Der Rest versickert nach dem Ereignis sehr schnell im lehmig-kalkigen Sandboden. Spannende Entdeckung, wie sich Bäche bilden und, sobald kein neues Wasser nach fließt, im Nu versiegen.

Fazit

Gut, man wird mit dieser Art der Landschaftsnutzung garantiert den Naturschutz und Tourismus fördern. Man zieht damit Menschen an, die sich gerne im Grünen aufhalten. Die Kultur und Natur schätzen, die möglichst ungespritzte, frische Lebensmittel zu sich nehmen wollen und den Charakter der Region wertschätzen. Mit Hecken, einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, ökologischer und fast schon an Permakultur anmutender Landwirtschaft ist die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten hoch.
Damit lässt sich zwar nicht die Weltbevölkerung ernähren, aber es fühlen sich sehr viele Lebewesen in der Provence wohl. Und auf viele von ihnen sind wir Menschen angewiesen.

Autor:

Als Kommunikationsberaterin unterstütze ich Dienstleister bei ihrer individuellen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Beratungsfelder sind Positionierung, PR-Konzept, Pressearbeit, social media, Strategie und Systematisierung. Als Dipl.-Ing. und Fachjournalistin mit NaturSicht. schreibe ich für meine Auftraggeber so, dass Laien kausale Zusammenhänge rund um stadtgrün, Boden, Gewässer und Pflanzenökologie begreifen.