Erdhaftig – Silke Bicker | Kommunikation: Naturwissen & PR

Lustvoll genießen…

… und Lebensmittel wertschätzen – darum ging es gestern in einem Workshop, den die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Kooperation mit der FH Münster zum Abschluss ihres Transferprojekts für die Lebensmittelbranche gab. Er richtete sich an Gastronomen. Die Ergebnisse des Projekts „Gewusst wie – Lebensmittelverschwendung stoppen und Geld sparen“ richten sich jedoch nicht nur an die Gastro-Unternehmer sondern auch an Endverbraucher. An alle, die im Restaurant auch zu später Stunde – ob nachmittags ein warmes Mittagessen oder spätabends ein Nachtmahl oder am späten Vormittag noch ein gut bestücktes Frühstücksbuffet – das vollständige Angebot erwarten.

Foodsharing ist vielen Menschen mittlerweile ein Begriff und auch Gastronomen beteiligen sich daran. Es geht allerdings darum, immer mehr Menschen zu sensibilisieren, für den wertschätzenden Umgang mit Lebensmitteln.

… und Lebensmittel schätzen

Im Rahmen des Transferprojektes wurde die Online-Plattform „LAV –Lebensmittel Abfall Vermeiden“ speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Diese bündelt erstmals Erfahrungen aus der Praxis und Hilfestellungen zur Lebensmittelabfallvermeidung für die verschiedenen Zielgruppen auf einer Website. Ihr Nutzen besteht in einem Blog mit zahlreichen Tipps und News, unter anderem von der Dehoga und dem Bundesumweltministerium, vor allem jedoch aus vielen nützlichen Tools für Gastronomie-Anbieter. Dies bezieht den Metzger mit zusätzlichem Cateringangebot ebenso wie Kantinen und Restaurants mit ein.
An dem Aufbau der Website und der Auswahl der Instrumente waren 13 Projektpartner aus Handwerk, Industrie und Gastgewerbe sowie sechs Multiplikatoren beteiligt. Zwischen Juni 2015 und Februar 2017 lief das Projekt. Die Vorgehensweise fing bei Null – der Recherche – an, danach folgten Entwicklung, Implementierung, Bewertung, Transfer und Controlling.

  • Bei Messungen kam unter anderem zutage, dass eine Bäckerei pro Woche einen Gesamtabfall an Lebensmitteln á 15.700 Euro produziert. Für dieses Geld kann man sich ein kleines Auto leisten.
  • Beim Landwirt ist der Abfallberg am Kleinsten, in Richtung zum Endverbraucher wird er immer höher.
  • Es genügt nicht, Kleinkinder und Schüler zu sensibilisieren – Wissen über die Vermeidung von zu viel Lebensmittelabfall muss auch an Erwachsene getragen werden. Das gilt auch für Berufsschulen und Weiterbildungen für Gastronomiemitarbeiter.
  • Gerechte Preise für Lebensmittel fordern und sowohl der Tierhaltung als auch dem Pflanzenanbau mehr Wertschätzung zu schenken.
  • Menschen außerhalb von Foodsharing erreichen.

Beispiel 1: Kette „Nordsee“

„Nordsee“ war einer der Projektpartner und stellte fest, dass vor allem in der Spülküche Reste von Tellern weggeworfen wurden sowie abends an der Snacktheke noch ziemlich viel frisch Zubereitetes übrig blieb. Diese Reste erhalten teilweise die Angestellten für zuhause. Das oben beschriebene Problem, dass Kunden auch abends noch das volle Angebot erwarten, ist auch hier eine Herausforderung.

Als Lösung für die Snacktheke wurden andere Servierplatten beschafft. So erhielt die Auslage auch mit weniger Baguettes eine volle Optik. Und auch die Mitarbeiter produzierten nicht noch zwei Stunden vor der Schließung möglichst viel, um selbst mehr mit nach Hause nehmen zu können. Es geht ja darum, Essen nicht zu verschwenden. Auch dies muss sowohl in die Köpfe der Kunden als auch in die der Mitarbeiter hinein. Gar nicht so einfach!

Als Lösung für die Tellerreste in der Spülküche wurden für einige Filialen testweise so genannte Mitnahmebeutel und -schachteln angeboten. Diese werden von Gästen gerne beansprucht, denn so können sie sich Reste einfach mitnehmen. Der Haken für den Betrieb liegt in den Hygienevorschriften:

  • Was, wenn das Essen auf dem Heimweg oder bis es aufgegessen wird, ungenießbar wird?
  • Oder sich der Gast daran eine Lebensmittelvergiftung holt?

Auch hier wird noch gefeilt. Im Winter ist bisher nichts passiert, aber die heißen Sommermonate kommen. Fisch und Sommerhitze… Shitstorm in socialmedia… Bisher ist „Nordsee“ mutig, hoffentlich bleibt es so!

Beispiel 2: Supermarkt kocht mit Resten

Ein Supermarkt im niederländischen Wintersweijk geht eigene Wege und verdient daran noch mehr. Es wurde ein Koch eingestellt, eine kleine Küche eingerichtet und jeden Tag werden neue Gerichte für die Kunden frisch gekocht. Aus Lebensmitteln, die am nächsten Tag heruntergesetzt oder in den Müll geworfen werden müssten, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft. Der WDR drehte einen fünfminütigen Beitrag (verlinkt auf das Video).

Silke Bicker

Autor: Silke Bicker

Ich schreibe und lehre für Organisationen, die mit unterschiedlichen Medien Wissen über Natur kommunizieren. Darüber hinaus berate ich Dienstleister zu ihrem individuellen PR-Konzept und unterstütze sie dabei, dieses selbst gut umsetzen zu können.

Kommentare sind deaktiviert.