Erdhaftig – Silke Bicker | Kommunikation: Naturwissen & PR

Fluviatiles Sediment in Tieflandbächen – alles klar?

SonnenuntergangEinige von Ihnen nicken jetzt bestimmt und denken: „jau, alles klar!“. Für viele Menschen, die sich für Natur interessieren, ist meine Überschrift vollkommen unverständlich.
Donnerstagabend warf ich zwischen Tür und Angel kurz mal eben in einer Unterhaltung bei Twitter eine für mich völlig logische Antwort hin. Freitagmittag stellte ich fest, dass sie gegoogelt wurde: Gitte Härters Antwort bot den wunderbaren Aufhänger zu diesem Artikel:

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Texte für Laien müssen verständlich sein

Sonst liest sie keiner. Und wenige Menschen sind wie Gitte Härter und suchen mal eben schnell die Übersetzung im Internet. Die meisten gehen weiter, wenn es sich zum Beispiel um einen Erlebnispfad mit in Eigenregie erstellten Texten handelt. Und denken sich ihren Teil dazu.

Texte für Laien müssen nicht lang und schon gar nicht ausschweifend sein. Sie müssen auch nicht alles rund um „fluviatile Sedimente“ erklären. Es genügt völlig in Kürze mit Würze zu erklären, was einen Fluss in der Ebene oder eben im norddeutschen Tiefland von einem Gebirgsfluss im Voralpenland unterscheidet. Vokabeln zu benutzen, die alle verstehen und Wiederholungen möglichst zu vermeiden. Es werden übrigens gern Texte gelesen, die maximal 600 Zeichen lang und verständlich geschrieben sind. Und das ist manchen schon zu lang. Dazu kommen oft noch Bilder, um das Geschriebene zu unterstützen.

So nicht:
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Rot: unverständlich. Letzteres gilt vor allem, wenn Sie Texte für Ausstellungen, Broschüren, Flyer und Erlebnispfade schreiben. Fachwörter versteht nicht jeder und auch das Wort „Sediment“ ist nicht überall verständlich.

Blau: schlicht zu lang beziehungsweise zu umständlich. Bandwurmsätze sind Gift.

So schon eher:
Sedimentflüsse im Tiefland
Sedimente sind Ablagerungen vergangener Zeiten, wie Sand, Ton, Lehm oder auch Kieseln. In Nordwestdeutschland bestehen Flussbetten oft aus weichen Sedimenten mit kleineren Steinen. Manche sagen auch Schlamm dazu.
(214 Zeichen)

Diese drei Sätze sind in fünf Minuten entstanden und man könnte noch mehr, noch kleinteiliger etwas dazu schreiben. Dazu fehlt mir gerade die Lust und die Zeit 😉 Jedoch können sich Laien aus Gebirgsländern viel besser vorstellen, dass man in einen solchen Fluss per Seilschwung hineinspringt.
(Vorausgesetzt, er führt genügend Wasser und man kennt die Stelle. Springt also nicht doch auf einen neuerdings herumliegenden größeren Stein. Darum geht es hier jetzt ja nicht.)

Allgemeinverständlich schreiben – für wen?

Der Wikipedia-Beitrag ist sicherlich nicht für Kinder und Jugendliche geschrieben worden, eher für Erwachsene mit entsprechender Allgemeinbildung. Vielleicht aber auch nicht, das wissen wir nicht. Oft sind solche Texte in Broschüren und auf Erlebnispfadtafeln Biologischer Stationen zu finden, wenn wissenschaftlich Denkende sie schrieben.

Bei jedem Projekt mit Texten zur Öffentlichkeitsarbeit muss zwingend die Frage beantwortet werden, wer die Texte verstehen und lesen soll. Man kann Projekte so aufbauen, dass möglichst „alle“ angesprochen werden sollen. Aber auch da sollte man wissen, wer „alle“ sind:

  • Sollen alle Menschen ab 20 Jahren oder ab 14 Jahren oder ab 7 Jahren die Inhalte verstehen können?
  • Welche Allgemeinbildung liegt vor?
  • Was für Interessen treiben diese „alle“ an?
  • Sind nur Spezialisten – zum Beispiel alle Köcherfliegen-Experten – angesprochen?
  • ….

Sie merken schon, es ist gibt im Vorfeld von Texten für die allgemeine Öffentlichkeit viel zu klären, damit sie nachher die Zielgruppen mit den Zielen, die Sie im Hinterkopf haben, tatsächlich erreichen!

Silke Bicker

Autor: Silke Bicker

Ich schreibe und lehre für Organisationen, die mit unterschiedlichen Medien Wissen über Natur kommunizieren. Darüber hinaus berate ich Dienstleister zu ihrem individuellen PR-Konzept und unterstütze sie dabei, dieses selbst gut umsetzen zu können.

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