Erdhaftig – Silke Bicker | Kommunikation: Naturwissen & PR

Boden & Lebensstil: untrennbar verbunden

BodentagFAONeulich ergab sich bei Facebook eine kleine, schräg laufende Diskussion bei der es zunächst darum ging, ob Nahrungsmittel aus Lupinen für Menschen „Schrott“ seien oder nicht. Im weiteren Verlauf wurden der Boden und die Bodenverbesserung durch den Anbau von Lupinen mit eingebracht ebenso wie die Nahrhaftigkeit ihrer Proteine für Mensch und Tier. Grund der Diskussion war der Preis, den Wissenschaftler der Fraunhofer Gesellschaft erhielten, weil sie  erkannten und eben dazu forschen, wie man

  • einerseits die Bodenfruchtbarkeit erhalten und Böden durch z. B. Anbau von Lupinen verbessern kann &
  • andererseits dem Bedürfnis nach Nahrungsmitteln der stetig wachsenden Weltbevölkerung halbwegs natürlich entgegenkommen kann.

Daraus entstehende Lebensmittel als Schrott zu bezeichnen? Bei vielen Diskussionen mische ich mich nicht ein, weil ich nicht genug über die Sachlage weiß. Weil die Welt so ungeheuer komplex und Situationen oft unüberschaubar geworden sind. Aber: wir haben nur einen Planeten, den wir bewohnen können und wir sind mit vielen Lebewesen, die ebenfalls auf der Erde wohnen, nicht allein.

Tellerränder & Footprints

Es genügt beileibe nicht mehr, nur den eigenen Teller und – wenn man Glück hat, das eigene Gemüsebeet – anzuschauen. ManBodentag FAO2 muss darüber hinaus blicken und Themen zumindest annähernd in ihrer Komplexität versuchen zu erfassen. Das kann bedeuten, dass die eigene Meinung umgekrempelt wird, vielleicht sogar mehrfach. Denn, wenn wir über Nahrung reden, dann geht es meist auch um:

  • Boden (Erhalt der Fruchtbarkeit, Verbesserung, Schutz vor Versiegelung),
  • Medizin (z. B. Antibiotika + Keime),
  • Agrarwirtschaft (wie wird der Boden bewirtschaftet?; Umgang mit Tieren),
  • Reisen (wo kommt die Nahrung her – Spargel im Winter aus Peru (muss das sein??), Erdbeeren aus China…),
  • global denken und lokal handeln,
  • Möglichst regional und saisonal einkaufen.

Auch das Thema „Nahrung“ ist hochkomplex. Und die meiste Nahrung auf unseren Tellern kommt vom Boden. Sie wächst auf und in ihm, sie frisst von ihm, läuft über ihn, wühlt und scharrt in ihm und manchmal lebt sie auch in ihm, wie zum Beispiel Kaninchen.

Steppengrashüpfer2Der Boden ist eine endliche Ressource. Endlich deshalb, weil er ungefähr 1000 Jahre benötigt, um nachzu“wachsen“ plusminus dreiviertel. Bis ein Boden sich bildet, haben mehr als 100 Generationen Mensch gelebt und ihre eigenen Spuren hinterlassen. In der Welt und auch in Europa und Eurasien bilden sich immer mehr menschengemachte Wüsten. Dürren werden im Laufe des Klimawandels zunehmen. So, wie wir jetzt leben, geht es nicht mehr lange weiter. Das gilt für die „wachsende“ Wirtschaft ebenso wie für den Verzehr gewohnter Nahrungsmittel.
Ob Proteine der Süß-Lupinen in Lebensmitteln oder geröstete Heuschrecke mit crossem Chininmantel – die Umstellung ist schon im Gange –  nicht nur in Großstädten.

Kleine Linkliste

2 Bilder zum Schluss – Fantasiereise

Eine Straße heute mit Alt- und Neubauten, vierspurig mit viel Verkehr auf den Innenspuren, die äußeren Fahrbahnen werden im Zehn-Minuten-Takt von Bussen befahren, Fahrradfahrer radeln auch darüber. Die Neubauten lösen allmählich die Altbauten ab. Der großzügig bemessene Bürgersteig wird von Balkonen beschattet, da, wo die Neubauten stehen. Dort ist es auch im Winter wärmer, Eis bildet sich eher vor den alten Häusern. Ab und zu steht ein kleiner grüner Strauch zwischen Parkplätzen.

Die gleiche Straße 70 Jahre früher: eine zweispurige Straße, die die Provinzstadt mit den umliegenden Dörfern verbindet, eine wichtige Strecke war sie schon seit dem Mittelalter. Führt sie doch direkt von der nächsten größeren Ansiedlung auf die Stadt mit der einzigen Furt der sumpfigen Umgebung zu. Kurz vor der Stadt, so an die 1000 Meter vorher, beginnen die Mietshäuser mit kleinen Gärten vor der Haustür. Schön anzusehen mit kleinen Obststräuchern und Gemüsebeeten, mit denen die Mieter sich zum Teil selbst versorgen.

Die gleiche Straße hat sich in den letzten 70 Jahren sehr gewandelt. Die Hinterhöfe tragen keine Gärten mehr sondern Parkplätze. Statt der Vorgärten zieren gepflasterte Gehwege und Parkstreifen den Blick vor der Haustür.

Die gleiche Straße in 50 Jahren? Wie mag es da wohl aussehen?

Manchmal genügt es schon, einen klitzekleinen Blick in die Vergangenheit zu werfen und in das Heute, um einen größeren Perspektivwechsel bezüglich Boden, Konsumverhalten, lokal und global vertretbarem Lebensstil zu erhaschen. Der natürlich sehr individuell ist und sein darf.

Und, was meinen Sie, hat das alles mit Bodenschutz & Lebensstil zu tun?

Silke Bicker

Autor: Silke Bicker

Ich schreibe und lehre für Organisationen, die mit unterschiedlichen Medien Wissen über Natur kommunizieren. Darüber hinaus berate ich Dienstleister zu ihrem individuellen PR-Konzept und unterstütze sie dabei, dieses selbst gut umsetzen zu können.

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