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Brut- & Setzzeit: Hundehalter & Wildtiere

Wesertal Labi v. Schaumburg_05_2009 (7)Vor drei Wochen hatte ich einen Fahrradunfall im Naherholungsgebiet. Der Hund, über den ich trotz langsamen Fahrens stürzte, sauste leinenlos aus einem Dickicht direkt auf mich zu. Bremsen oder ausweichen? Keine Chance – stattdessen flog ich über den Lenker und fand mich in Schutzhaltung auf dem Asphalt wieder. Aua. Nach der Behandlung im Rettungswagen wieder zuhause angelangt, wurde ich sauer: denn der Hund hätte an der Leine geführt werden müssen – Brut- und Setzzeit. Da nützt es nichts, dass die Halterin nett, komplett versichert, dem Hund nichts und mir relativ wenig passiert ist. Ich liebe Tiere, auch Hunde. Dennoch: Die Nichteinhaltung der Brut- & Setzzeit ärgert mich aus mehreren Gründen und der Unfall ist ein guter Anlass darüber zu bloggen:

„Ausreden“ und Verhaltensweisen uneinsichtiger Hundebesitzer

  • Brut- und was bitte? Nie gehört.

Unwissenheit schützt nicht.

  • Hunde brauchen Auslauf, gerade ohne Leine.

Stimmt, warum Wildtiere auch ein Recht auf ungestörtere Jungenaufzucht haben, s. u.

  • Jagdhunde dürfen doch auch ohne Leine laufen, das ist ungerecht. Mein Hund wildert nicht.

Sicher? Ob ein Fuchs wohl mit einem quer durch den Wald preschenden Haushund spielen will? Oder der Hund mit dem Fuchs? Und was passiert, wenn der Fuchs den Hund tötet? Wenn der Hund außer Sichtweite ist, welcher Halter weiß denn, was er anstellt?
Übrigens, auch fürDiensthunde gibt es Regeln.

  • Mein Hund kommt auf Zuruf! (Demonstriert das, Hund kommt auch beim 5. Appell nicht, Halter wird laut – Hund nicht zu sehen. Als er endlich kommt, saust er aus einer völlig anderen Ecke des Waldes als der, in der sein Halter ihn  vermutete.

Wer ist hier der Chef? Der Hund.

  • Beim Kräutersammeln stand vor kurzem ein Labrador vor mir: knurrend, Zähne fletschend, geifernd in Drohhaltung. Sein Besitzer hatte eine Leine in der Hand, auf meine Bitte ihn an die Leine zu nehmen, antwortete er: „Der tut nix, will nur spielen“. Ich habe früher in meiner Freizeit mit so genannten Angstbeißern gearbeitet und kenne mich ein wenig in der Körper- und Lautsprache von Hunden aus. Drohen ist nicht spielen. Ich blieb ruhig stehen, guckte den Hund nicht direkt an und verhielt mich im Gespräch mit dem Besitzer gelassen. Alles andere wäre zu riskant gewesen. Nach einigem hin und her versuchte er seinen Hund an die Leine zu nehmen. Mit dem Erfolg, dass sein Hund Stress bekam: er musste mich und seinen Besitzer im Auge behalten. Letzterer traute sich nicht an ihn heran, sagte: „wenn er in dieser Stimmung ist, lege ich ihm lieber keine Leine an“. Oh?, der will doch nur spielen? Eine von einem Zeugen gerufene Polizeistreife setzte dem Ganzen ein Ende.

Es gibt viele Hundebesitzer, die wissen, wie man einen Hund erzieht und dass die Erziehung am Hund nie aufhört. Es gibt auch viele Hundebesitzer, die sich von ihrem Hund erziehen lassen. Solche Hunde können (müssen nicht per se) gefährlich werden.

  • Begleitung einer sogenannten „Hundewanderung“ als Naturerlebnispädagogin vor einigen Jahren im Wald. Dort gilt grundsätzlich für Privathunde Leinenpflicht in Niedersachsen. Der Wanderleiter und für die Hunde Zuständige sagte damals (ich vergess das wohl nie): „Das gilt für alle anderen, nicht für uns“. Auf meine damalige Frage, ob er eine Genehmigung dazu habe, guckte er mich komisch an und meinte, seine Firma könnte einpacken, wenn die Besitzer bei einer gebuchten Wanderung mit Hund ihre Tiere nicht frei laufen lassen dürften. Das wiederum fand ich merkwürdig. Zusätzlich fand die Wanderung in der Brut- und Setzzeit statt und mir war sehr unwohl. Auch, als dann fast alle Hundebesitzer einsichtig waren – alle, bis auf den Reiseleiter, dessen Terrier leinenlos munter streunte. Erst als er eine kleine Rotte Wildschweine mit Frischlingen aufstöberte, wurde es dem Hund und dem Reiseleiter ganz anders. Dem Rest der Gruppe übrigens auch.

Leinenpflicht gilt laut Gesetzgeber, s. u. Und nein, auf solche Geschichten, wie oben geschehen, lasse ich mich heute nicht mehr ein. Erst, wenn es zum Äußersten kommt, werden etliche Uneinsichtige etwas zugänglicher. Manche lernen es nie.

  • Mein Hund ist mein ein und alles, der darf frei laufen.

Ein Hund ist für viele Menschen ein Ersatz für eigene Kinder, einen Lebensgefährten oder Schutz vor Einsamkeit. Ein Hund ist ein Raubtier, auch wenn Hunde seit Tausenden von Jahren domestiziert werden. Die Population von Hunden in der Stadt und ihrer Peripherie ist weitaus größer als die von Wildtieren.

Sinn & Zweck der Brut- & Setzzeit…

… ist nicht, Hundehaltern die Freude am Spazierengehen mit ihren Tieren zu vermiesen. Und ja, auch Katzen würden eigentlich an die Leine oder zumindest in´s Haus gehören in dieser Zeit.

… ist, Wildtiere vor freilaufenden Hunden in der Zeit, in der wilde Tiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen und aufziehen, zu schützen. Dies gilt jedes Jahr für zweieinhalb Monate. Jede Person, die mit Hunden spazieren geht hat dafür zu sorgen, dass ihrer Aufsicht unterstehende Hunde vom 01.04 – 15.07.  an der Leine geführt werden.
Ausnahmen gelten nur für die rechtmäßige Jagdausübung, den Rettungseinsatz, Zoll, die Landes- und Bundespolizei.

Die meisten Wildtiere haben es schwer, denn sie haben auch in der Stadt natürliche Fressfeinde: Marder, Eichhörnchen, Falken, Bussarde,  Elstern, Füchse – um nur einige zu nennen. Zudem sind sie in dieser Zeit hohem Stress ausgesetzt:
Jeweils ein Partner muss das Futter für die ganze Familie heranschaffen, brüten oder aufpassen – sowohl auf die Jungen als auch darauf nicht selbst gefressen zu werden. Auch Tierkinder müssen alle paar Stunden gefüttert werden. Wenn dann die wenigen Momente zum Ausruhen von Fressfeinden gestört werden, ist es eigentlich ein Wunder, dass es noch so viele wilde Tiere gibt.

Kitz und Co.

Es muss nicht mal ein Hund ein Kitz reißen, zum sterben genügt es schon, wenn er es harmlos beschnuppert. Die Mutter wird es nicht mehr annehmen. Riecht das Kitz nach dem Beschnupperer, muss es jämmerlich verhungern oder wird gefressen.

Hunde vertreiben nur durch´s Streunen Bodenbrüter wie Kiebitze, Gänse, Lerchen von ihren Nestern. Werden die Eier kalt, ist der Nachwuchs gestorben. Zweite Möglichkeit ist, dass während der Hund weiterläuft, sich andere Tiere den Inhalt der Eier zu Gemüte führen. Egal wie: der Nachwuchs ist oft nicht mehr zu retten.

Was würde wohl passieren, holte sich ein Fuchs einen Hundewelpen aus dem Garten? Abschussforderung aller Füchse der Umgebung? Oder ein lässiger Umgang: ja mei, das ist halt so in der Natur? Falls sie jetzt denken, dass man das ja gar nicht miteinander vergleichen kann: ist das ganz ehrlich etwas anderes?

Alternativen für Hundebesitzer

Es gibt durchaus vernünftige Alternativen in der Brut- und Setzzeit:

➡ In Freilaufgebieten, in denen die Brut- und Setzzeit nicht gilt. Nachzufragen bei der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung.

➡ In umzäunten Spielflächen von Hundeschulen.

➡ An einer längeren Laufleine als die übliche. Ja, die Schlaufe in der Hand und das andere Ende am Geschirr mit Hund daran eingehakt 😉 Auch so kann der Hund Tiere aufschrecken, aber der Halter kriegt am Verhalten der Wildtiere mit, dass er ihn weiter zu sich holen sollte.

➡ An der Leine mal in ganz anderen Gebieten laufen als sonst. So lernt der Hund andere Strecken und damit auch Gerüche kennen als im üblichen Auslaufgebiet. Auch an der Leine ist es so für ihn interessant.

➡ Die Zeit nutzen und eine Hundeschule besuchen, Kunststücke oder neue Kommandos einüben. Falls der Hund seinem Halter nicht auf Zuruf gehorcht: an der Rangfolge arbeiten. Wunderbare Gelegenheit und auch noch zeitlich begrenzt.

Autor:

Ich berate Dienstleister zu ihrer individuellen Unternehmenskommunikation und unterstütze sie dabei, das frisch Konzipierte und mit mir Erarbeitete selbst anwenden zu können. Denn gerade Dienstleister punkten mit ihrer persönlichen Art und Weise ihre Geschäfte anzugehen.