Erdhaftig – Silke Bicker | Kommunikation: Naturwissen & PR

Bodenbewusstsein V: Boden & Wald für Erzieher

P1050170Im vierten Teil dieser Reihe ging es um das konkrete Beispiel „Regenwürmer aktivieren Teilnehmer“. Dieses Mal lasse ich Sie an meinen Erfahrungen meiner Fortbildung „Boden & Wald“ für Erzieher teilhaben.
Gehen Kinder zum Spielen in den Wald, suchen sie Tiere, bauen Hütten und treten selbst als Entdecker in Aktion. Erzieher gehen zu privaten Spaziergängen in den Wald oder wenn sie mit Kindern dorthin gehen müssen. Auf was sollten Dozenten achten, wenn sie Erzieher zum Thema Boden fortbilden:

Was ist für Erzieher wichtig?

In Kindertagesstätten (KiTas) werden einmal jährlich Waldtage in den Alltag integriert. In dieser Zeit verbringen Erzieher mit ihren Schützlingen die Betreuungszeit im Wald und wissen oft nicht, wie sie diese Zeit thematisch sinnvoll ausfüllen können. Bei den Vorgesprächen zu einer Teamfortbildung für Waldtage tritt immer wieder ein Muster auf:

➡ Nur wenige Erzieher interessieren sich für die Natur und wollen diese den Kindern näher bringen. Der Großteil nimmt am Liebsten das Spielzeug mit in den Wald und ist stark verunsichert, was man dort machen kann. Das Wissen über Wald ist minimal und das Wissen über Boden nicht vorhanden.
Ohne fachlichen Background kann man jedoch kein Wissen um ökologische Zusammenhänge, zu Tieren und Pflanzen in Zusammenhang mit Boden vermitteln. Um Kindern die Ökologie zu Wald und Boden auf spannende Weise näher zu bringen, basieren meine Fortbildungen auf den beiden Säulen Theorie und Praxis. Anfangs kläre ich die Erwartungen der Teilnehmer an die Inhalte und dies sind die immer genannten:

  • Zeckenschutz
  • Was tun, wenn die Kinder mal „müssen“?
  • Tierspuren entdecken
  • Was lebt wie im Boden und läuft Gefahr ausgebuddelt zu werden?
  • Bäume, Tiere, Bodenlebewesen benennen können
  • Essbares erkennen
  • Wahrnehmungsübungen (Tasten, Hören, Fühlen)
  • Tagesablauf im Wald mit Boden – wie kann ein Programm aussehen?

Erschreckend ist, dass Erzieher sich oft nicht einmal mit den Pflanzen des Waldes auskennen. Zum Beispiel sind Nadelbäume per se „Tannen“ und Buchen? Oh, da gibt es Unterschiede? Auch hier ist es sinnvoll, erstmal vorhandene Kenntnisse auszuloten und lieber bei Null zu beginnen als Wissen vorauszusetzen. Das gilt auch für auf dem Land arbeitende und lebende Erzieher. In manchen Dörfern werden sogar Bäume wegen ihres Laub-Abfalls geschlagen. Später wird sich im Sommer über mangelnden Schatten in der Straße beklagt…

Wenn Sie meinen, dass ich gerade ein sehr schwarzes Bild male: schauen Sie mal in die Befunde der SCA-Studie von 2010 oder den aktuellen Jugendreport Natur.

Wofür bilden sich Erzieher fort?

In den Landkreisen sind viele KiTas in kirchlicher Trägerschaft. Die Kinder sind gewohnt, dass über das Leben Gleichaltriger in Ländern der Dritten Welt gesprochen wird und diese Bezüge können auch über den Schöpfungsgedanken und vor allem den Bezug zu „Mutter Erde“ eingebracht werden. Mit dem Begriff Boden können Erzieher wenig anfangen. Besser ist die Bezeichnung Erde.
Wissen über einfache ökosystemare Zusammenhänge

  • Wozu braucht der Wald den Boden? oder
  • Was hat Regen mit Boden und Grundwasser zu tun?

ist in KiTas kaum oder gar nicht vorhanden. Die Fragen nach dem Wie, Warum und Weshalb werden erst während der Praxisphasen gestellt.

Diese Fragen

➡ Warum ist Wissen über Boden wichtig?
➡ Wozu benötigen wir Erde?

kommen bei jeder Teamfortbildung in der Stadt vor. Das ist kein Witz.

Und nach den Wald-Boden-Tagen?

Im evaluierendes Gespräch mit der KiTa – Leitung geht hervor, was aus der Fortbildung in den Aktionszeitraum übernommen wurde, was gut funktionierte und ihrer Meinung nach verbessert werden könnte. Erfreulich ist, dass nach den Waldtagen fast jeder Erzieher die theoretischen Elemente für unabdingbar hält, um die Fragen der Kinder beantworten zu können.
Die Spiele der Naturerlebnispädagogik laden zu mehr Naturverbundenheit ein. Durch das Erfassen des Waldes und der Beschaffenheit des Bodens mit allen Sinnen haben Kinder wie Erzieher während der Aktionstage gelernt,

  • besser miteinander umzugehen,
  • sich bei Streitigkeiten kooperativer, gelassener und lösungsorientierter als sonst zu verhalten.
  • Alle Beteiligten lernten vieles wie nebenbei über beide Ökosysteme. Dies geschah durch die eigene Begeisterung und Schärfen der eigenen Wahrnehmung und durch das gemeinsame Erleben.
  • Denn es ist nicht nur für Kinder ein Erlebnis, Dritte an eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Tipps für Bodenkundler, die Laien fortbilden wollen:

➡ Fangen Sie bei Null an. Gehen Sie davon aus, dass Ihre Teilnehmer keinerlei Vorkenntnisse haben. Ausnahme: Waldkindergärtner oder Waldorfpädagogen. Der Boden kommt in keinem Lehr- und Orientierungsplan vor, denken Sie daran, wenn Sie mit Laien arbeiten.

➡ Wir stehen alle auf dem Boden und nutzen ihn. Horizonte haben für Laien etwas mit Weitblick, „über den Tellerrand hinaus gucken“ und Himmel zu tun.

➡ Deutsch sprechen, das Fachchinesisch zuhause lassen 😉 (vgl. Teil III) und

➡ verständliche Beispiele aus der Lebenswelt Ihrer Gegenüber verwenden.

❗ In Zeiten von Chats per SMS via Handy, Smartphone, Facebook und Co. können viele (junge) Erwachsene nicht mehr miteinander vis á vis auf der Beziehungsebene kommunizieren.

Teile dieser fünfteiligen Reihe sind in der Fachzeitschrift „Bodenschutz“ in H 4/2009 und H 1/2012 bereits erschienen; ich habe die Inhalte modifiziert und erweitert.

Silke Bicker

Autor: Silke Bicker

Ich schreibe und lehre für Organisationen, die mit unterschiedlichen Medien Wissen über Natur kommunizieren. Darüber hinaus berate ich Dienstleister zu ihrem individuellen PR-Konzept und unterstütze sie dabei, dieses selbst gut umsetzen zu können.

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