Erdhaftig – Silke Bicker | Kommunikation: Naturwissen & PR

Bodenbewusstsein III: Sprache, Konzept, Duktus & Co.

???????????????????????????????Im zweiten Teil  ging es um das inhaltliche Kratzen an der Oberfläche oder in die Tiefe buddeln. In diesem Teil geht es um die Rolle des Referenten: welche Sprache wird genutzt, doziert er (ganz schlecht) oder moderiert er (optimal) und um die Teilnehmer – damit möglichst viel Bodenwissen in ihnen hängen bleibt 🙂

Drücken Sie sich verständlich aus?

Wie drücken Sie sich aus? Gesprochenes Schriftdeutsch mit starker Nutzung von Fremdwörtern ermüdet Zuhörer leicht. Sprechen Dozenten in einfachen Sätzen fühlen sich die Teilnehmer von ihnen als Partner angenommen und der zu lernende Sachverhalt erscheint nicht mehr schwierig sondern lernbar. Dazu mobilisiert die Verständlichkeit vorhandenes Wissen seitens der Teilnehmer, die diese bereitwillig in den Lernprozess mit einbringen.

Oft kommen Referenten bei Tagungen von Universitäten. Als Teilnehmerin entwickle ich oft gerade in von Wissenschaftlern geleiteten Workshops unterschiedliche „Versauerungsgrade“. Zum Einen, weil ich selbst als Erwachsenenbildnerin tätig bin und weiß, wie es sein sollte. Zum anderen, weil ich einen Workshop erwarte.
Ein Workshop ist keine Vorlesung. Es steckt schon im Wort drin – ob man etwas mit erarbeiten oder nur zuhören darf.

Der Haken bei vielen bodenkundlichen Workshops ist oft, dass die Moderatoren dozieren und ihre eigene, inhaltliche Meinung in den Vordergrund stellen, während ihnen die Teilnehmer geistig abdriften (vgl. Die Dosis macht das Gift).  Wenn ich nachfrage, höre ich oft Fogendes: „Ich kenne die Teilnehmer nicht und weiß ja nicht, was die alles wissen. Da bereite ich doch lieber etwas vor und kenne die Ergebnisse schon im Voraus.“ 😯

So geht es nicht liebe (Hochschul-) Dozenten! Aus Angst vor wildfremden Teilnehmern einfach in die Schublade „Vorlesung“ greifen, nützt niemandem etwas. Auch Ihnen nicht, denn Sie geben sich keine Chance für neue Erfahrungen. Sie würden staunen, was für Ergebnisse möglich wären, wenn Sie moderieren würden. Und könnten bestimmt noch das eine oder andere von Ihren Teilnehmern lernen.
Ja, es stimmt. Man weiß oft nicht, was für und welche Multiplikatoren im Workshop dabei sind. Und auch nicht, welche und ob überhaupt Vorkenntnisse zum Boden vorhanden sind. Die meisten sind allerdings nette Mitmenschen, die:

  • etwas Neues lernen wollen,
  • ihr eigenes Wissen mit einbringen möchten und
  • sich im kreativen Miteinander austauschen wollen.

Übrigens, Workshops nehmen nicht so wahnsinnig viel Vorbereitung in Anspruch wie eine Vorlesung. Allerdings sollten Moderatoren flexibel denken können und über ein gewisses Maß an Schlagfertigkeit verfügen 😉

Workshops sind Workshops

Workshops sind Veranstaltungen, bei denen sich eher kleine Gruppen unter der Leitung eines Moderators mit begrenzter Zeitdauer intensiv gemeinsam mit einem Thema zu einem bestimmten Ziel auseinandersetzen. Wichtig ist, dass die Teilnehmer an den Inhalten arbeiten, während der Moderator seine Meinung hinten an stellt und den Workshop „nur“ moderiert und anschließend dokumentiert:

1 Mini-Thema genügt völlig. Hier gilt das Prinzip Weniger ist mehr. Bei Tagungen werden am Ende oft die Ergebnisse aller Workshops an sämtliche Teilnehmer bekannt gegeben. Sie sollen mit ihnen selbst weiter arbeiten können. Das gilt auch für alle anderen Workshops. Ein kleines Thema, dass Sie in der Zeit des Workshop auch wirklich erörtern und am Ende Resultate präsentieren können.

Verzichten Sie auf den wissenschaftlichen Duktus. Die meisten, die sich mit dem Bodenschutz auskennen sind Bodenkundler. Viele von ihnen Wissenschaftler. Ja, sie brauchten lange bis sie ihre spezielle Sprache konnten 😉 Wenn Sie mit unterschiedlichen Multiplikatoren einen Workshop leiten, nutzen Sie eine allgemein verständliche Sprache und steigen Sie mit Beispielen aus dem Alltag der Teilnehmer ein. Das geht beim Boden gut!

➡ Bereiten Sie Vorinformationen zum Mini-Thema vor: so einfach und umfassend wie möglich als Einstieg in die Workshop-Arbeit. Schaffen Sie eine gemeinsame Basis, damit alle über den gleichen Wissensstand verfügen.

➡ Gebrauchen Sie verständliche Begriffe, um Ihren Teilnehmern den Boden näher zu bringen. Unter einem Horizont verstehen Laien etwas völlig anderes als Bodenkundler. Führen Sie Ihre Teilnehmer nicht in die Irre. Im Zweifelsfall fragen Sie einen Laien und bitten ihn, Fragen zu stellen, wenn er etwas in Ihren Ausführungen nicht versteht. Und auch, Beispiele in eigenen Worten wiederzugeben.

➡ Auch Workshops brauchen klare Ziele und ein Konzept: Machen Sie sich vorher klar, wohin die Reise gehen soll und bereiten Sie geeignete Methoden vor. Als Moderator müssen Sie den Roten Faden stets im Auge behalten und zu Beginn klären, dass er existiert.

➡ Sprechen Sie alle Lerntypen an? Gerade bei Workshops können kreative Mittel und Methoden gut eingebracht werden. Papier und Stift führen zu deutlich fruchtbareren Einfällen als eine Präsentation am Computer zu befüllen. Nutzen Sie Flipchart, Metaplan, Audio-Dateien, kleine Videos, farbige Stifte (ja, auch Flipchart-Stifte gibt es in anderen Farben als nur blau und schwarz), Wachsmalblöcke, … !

Üben Sie Wertschätzung gegenüber Ihren Teilnehmern. Manche Dozenten stellen sich auf ein unsichtbares Podest und entfernen sich damit unbewusst von ihren Akteuren.  Hören Sie aktiv zu. Das bedeutet, dass Sie die Inhalte, die Ihre Teilnehmer einbringen, wahrnehmen und wertschätzen. Tun Sie das nicht, könnte Ihr Verhalten demotivierend auf Ihre Gruppe wirken.

Wer fragt, der führt: Lenken Sie Ihre Gruppe mit präzisen, konkreten Fragen in die gewünschte Richtung. Denken Sie an die Ziele des Workshops.

Sorgen Sie für ein Fazit. Bei Tagungen müssen Sie eine Zusammenfassung erbringen. Wenn Sie für einzelne Workshops engagiert sind, ist es auch sinnvoll die Ergebnisse zusammenzustellen und zu dokumentieren. So bringen Sie den Workshop zu einem runden Abschluss.

Feedback einholen. Bitten Sie ganz am Schluss um ein Feedback, ob mit bestimmten Fragen gelenkt oder ein kurzes Statement können Sie selbst bestimmen. Es gibt viele Reflexionsmethoden. Auch Sie selbst können den Teilnehmern ein ehrliches Feedback geben. Auch hiermit schätzen Sie die Teilnehmer Wert und können für Ihre persönliche Weiterentwicklung meist auch etwas herausziehen.

Methoden für Workshops und Moderation gibt es wie Sand am Meer. Sie richtig zum Einsatz zu bringen ist die Kunst. Wichtig dafür ist der Zweck und das didaktische Konzept, auch die Zielgruppe spielt eine Rolle.

Der nächste Beitrag dieser Reihe wird deutlich kürzer sein 🙂 und ein ganz konkretes Beispiel für Freiland-Workshops bieten.

Silke Bicker

Autor: Silke Bicker

Ich schreibe und lehre für Organisationen, die mit unterschiedlichen Medien Wissen über Natur kommunizieren. Darüber hinaus berate ich Dienstleister zu ihrem individuellen PR-Konzept und unterstütze sie dabei, dieses selbst gut umsetzen zu können.

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