Erdhaftig – Silke Bicker | Kommunikation: Naturwissen & PR

„Gier-frisst-Hirn-Mentalität“

exkursion rhossili bay4Die Ökosysteme und unsere Kulturlandschaften bieten eine ungeheure Vielfalt an Themen: Pflanzen, Tiere, Kulturhistorik, Gewässer, Wind- und Wassermühlen, Bäume, Gebirge, regionales Brauchtum, Ebenen und ihre verschiedenen Nutzungen. Wiesen werden gemäht. Weiden vom Vieh abgegrast, Flussebenen anders bewirtschaftet als Berghänge. Dazu gehören verschiedene Waldnutzungen mitsamt ihrer Fauna und Flora aber auch die Mager- und Fettwiesen mit ihren speziellen Pflanzengesellschaften, Insekten, Vögeln und Kleinsäugern. Auch wir gehören mit in dieses Gefüge. Denn wir prägen unsere Umwelt und sind ein Teil der Natur. Viele Lebewesen sind mittlerweile spezialisiert auf das, was unsere Vorfahren schufen: Wiesen, Hecken, Brachen, Felder, Streuobstwiesen, Raine…
Und der Boden bildet die Grundlage, denn ohne ihn gäbe es weder Schokolade, Pommes frites, Brot, Tee, Kaffee noch Obst, Tabak oder Wein.

Soviel wie wir heute über unsere Umwelt und die Natur wissen, so sehr verwundert es mich, dass wir sie immer noch mit Füßen treten. Eine Kollegin nannte es einmal die „Gier frisst-Hirn-Mentalität“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf, wie ich finde.

Ein typisches Beispiel

Die frühere Kulturlandschaft aus sanften Hügeln, Seen, Raps- und Getreidefeldern gibt es seit circa sieben Jahren nicht mehr. Nun bestehen viele Hügel und Äcker aus Maisfeldern, Monokultur, wie kein Bauer sie anlegen würde, sollte man meinen. Fünf Dörfer im Einzugsgebiet der Kleinstadt besitzen Biogasanlagen. Die Flächen mit Maisanbau wurden verpachtet an Menschen, die diese Anlagen füttern. Die Bauern freuen sich die ersten Jahre über die Pacht und sind, wenn die Pächter weiterziehen weil der Boden unfruchtbar geworden ist, entsetzt. Denn Boden bzw. Ackerflächen zu regenerieren dauert Jahre. Jahre, in denen nichts “Vernünftiges” zum Erwirtschaften angebaut werden kann. Dumm gelaufen, könnte man sagen.
Was passiert dort, wenn die Pächter woanders ihr nächstes El dorado suchen?

  • Den betroffenen Landwirten droht der Pleitegeier.
  • Ohne Landwirtschaft gibt es aber keine Kultur- und somit keine “Urlaubs”-Landschaft mehr. Also fehlt dann genau das, warum Leute dort ihren Urlaub verbringen, sich erholen wollen.
  • Wenig Insekten, u. a. Bienen, Hummeln, zum Bestäuben.
  • Die Artenvielfalt nimmt rapide ab.
  • Die Wildschweine hingegen nehmen rapide zu, trauen sich noch mehr in Gärten und Städte.
  • Dörfer und Kleinstädte werden zu so genannten “Schlaforten”. Viele Senioren.
  • Und?

Es passiert vorrangig in Regionen, wo kein vernetztes Denken seitens Naturschutz, Touristik, Bürgern und Kommune vertreten ist.

Silke Bicker

Autor: Silke Bicker

Ich schreibe und lehre für Organisationen, die mit unterschiedlichen Medien Wissen über Natur kommunizieren. Darüber hinaus berate ich Dienstleister zu ihrem individuellen PR-Konzept und unterstütze sie dabei, dieses selbst gut umsetzen zu können.

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